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Mi 30.05.12
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Nicaragua – ein Land mit vielen Gesichtern
Spanisch
Geschrieben von: Leonie Bojert   

Mein Name ist Leonie Timna, ich habe im Mai 2008 an der Kooperativen Gesamtschule Rastede mein Abitur gemacht und natürlich stellte sich schon vor dem Abschluss die Frage: Was mache ich danach? Seit einem Frankreich- und einem Chileaustausch in der Schulzeit leide ich an chronischem Fernweh und dementsprechend sah meine Zukunftsgestaltung aus. Lateinamerika und auch die spanische Sprache faszinieren mich, was mich letztendlich dazu gebracht hat, für ein Jahr nach Nicaragua zu gehen.

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Vorher sah Nicaragua für mich aus, wie ein kleiner Fleck auf der Landkarte, aber das hat sich geändert: Es ist definitiv eines der faszinierendsten Länder, die ich je besucht habe. Der Nicaragua Verein Oldenburg e.V. hat mir die Möglichkeit gegeben, für ein Jahr Deutschland zu verlassen, um ein freiwilliges soziales Jahr in San Francisco Libre – einem kleinen „Municipio“ (Landkreis) am Managua-See – zu absolvieren, dort zu arbeiten, zu leben und die Kultur kennen zu lernen.

Nach mehreren lustigen und gleichzeitig ernsten Vorbereitungsseminaren ging es am 4. Juli 2008 in die Ferne. Auf schmerzhafte Abschiede folgten schöne, spannende und lehrreiche Zeiten. Am 5. Juli 2008 kam ich nervös, müde, durcheinander und gespannt in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, an. Zusammen mit meinen „Mitfreiwilligen“, Graciela – der Vertreterin des Vereins vor Ort – und unserem Gepäck ging es schnell los nach San Francisco Libre, denn in Managua hielt uns nicht viel. Geschafft vom holprigen Weg – wir schafften gerade 35 km in eineinhalb Stunden! – kamen wir im bescheidenen Hauptort an. Schreiende Kinder, kleine Lehmhütten, riesige Familien, prachtvolle Landschaften, der Blick auf den Momotombo, lächelnde Menschen, brütende Hitze, staubige Trockenheit – und dazwischen ich, eine „Chelita“ (so werden hier die Weißen häufig genannt) aus dem angeblich so bescheidenen Rastede. Die Eindrücke erschlugen mich förmlich und ich brauchte meine Zeit, um alles zu realisieren, vor allem von Zuhause weg zu sein.

Nach einiger Zeit kam ich auch mental hier in Nicaragua an, konnte meine Arbeit aufnehmen, mein Spanisch anwenden und anfangen mich  zu Hause zu fühlen. Ich arbeite hier in einem Stipendiatenprojekt. Stipendiatenprojekt? Das Stipendiatenprojekt ist ein Projekt, das inzwischen schon seit 10 Jahren funktioniert. Manche Familien, Familien, die besonders viele Kinder haben und dementsprechend besonders arm sind, bekommen hier zum Teil Stipendien. Naja, nicht die Familie, sondern ein Kind der Familie. Die Stipendiaten und die Geschwister bekommen Hefte und Stifte für die Schule und die Familie bekommt monatlich eine Hilfe von 250 „Cordoba“ (nicaraguanische Währung, 1€ entspricht je nach Kurs zwischen 25–30 Cordoba). Was ich da mache? Meine Aufgabe besteht vor allem darin, Kontakt zwischen den Stipendiaten und den Spendern – häufig Schulklassen – aufzubauen, bzw. weiterzuführen. Um das zu machen muss ich in die Gemeinden fahren und die Familien besuchen, unterhalte mich mit den Stipendiaten und den Familien, führe Interviews, mache Fotos und helfe den Kindern beim Verfassen von Briefen. Das ganze muss dann natürlich nach Deutschland geschickt werden. Meine Ansprechpartnerin in Deutschland ist Birgit Zwikirsch, mit der ich im ständigen Kontakt stehe, um das Projekt immer auf dem Laufenden zu halten. Das mit dem Kontakt ist nicht immer so einfach, denn hier im Ort ist die Stromversorgung nicht 100%ig gelungen; wenn viel Wind aufkommt, fallen manchmal Strommasten um und der Strom fällt aus. Bis zu zwei Wochen in der Regenzeit saβen wir im Dunkeln. Ich übertreibe nicht, denn um 18:00Uhr ist es hier stockduster! Problematisch ist, dass Wasser und Strom zusammenhängen und wenn kein Strom da ist, dann hat man halt auch kein Wasser... bis dann die Pumpe für ein paar Stunden angestellt wird.

Wenn ich in meinem Projekt nichts zu tun habe, dann bewege ich mich auch viel in der Bibliothek, die auch ein Projekt des Vereins ist. Janna, eine andere Mitfreiwillige, ist zuständig für die Bibliothek und muss sich um unsere Schützlinge kümmern. Hier habe ich am Anfang meiner Zeit auch eine Inlinergruppe gegründet, die mit Jannas Unterstützung noch besser läuft.

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Ich hoffe, es hat euch gefallen, was ich erzählt habe. Wenn ihr mehr Interesse an Informationen habt und vielleicht selbst ein FsJ im Ausland machen wollt, dann könnt ihr Frau Straub kontaktieren, die euch sicherlich gerne meine E-Mail-Adresse gibt, um mir mal zu schreiben. Ich bin heilfroh die ganzen Erfahrungen gemacht zu haben und kann es jedem empfehlen, ein solches Jahr nach dem Abi oder nach der Ausbildung zu starten. Solltet ihr Probleme mit der Finanzierung haben, schaut mal nach dem Programm „weltwärts“ im Internet, mit diesem Programm bin ich auch unterwegs und es ist eine groβe Hilfe!

Leonie Timna Bojert, San Francisco Libre, den 27. April 2009
 
 
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Termine und Informationen für die Anmeldungen für den 5. Jahrgang im Schuljahr 2012-2013 finden Sie hier

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